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Der Verein Retourenregister e. V. wurde 2019 gegründet und möchte mit seiner Arbeit den deutschen Onlinehandel dabei unterstützen, Retouren zu vermeiden. Deshalb haben sie das erste Retourensiegel „Save our Returns“ eingeführt. Eik, einer unserer Co-Founder von Keepoala, und Yanna Badet, Projektleiterin vom Retourenregister e. V., sprechen über ihre Visionen, zukünftige Ziele und die Entwicklungen im Onlinehandel.

Eik: Yanna, obwohl ihr ein sehr junger Verein seid, konntet ihr mit eurer Arbeit medial bereits starke Aufmerksamkeit generieren. Das treibt natürlich an. Was ist die Vision von Save our Returns?

Yanna: Hi Eik. Ja, uns gibt es jetzt seit gut einem Jahr. Wir haben das erste und einzige Retourensiegel Deutschlands entwickelt, dafür haben wir schon viel Aufmerksamkeit bekommen. Das treibt an, das ist richtig. In erster Linie motiviert uns jedoch Produktverantwortung zu kommunizieren mit dem Ziel: 1. Retouren zu vermeiden und 2. dort, wo sie sich nicht vermeiden lassen, Retouren so zu verwerten, dass sie nicht auf dem Müll landen müssen. Wir wollen Kreislaufwirtschaft unterstützen und damit Ressourcen, Transport, CO₂ und Kosten sparen.

Yanna: Ich glaube da haben wir letztendlich ganz ähnliche Ziele und Motivationen wie Keepoala, oder? Was treibt euch an?

Eik: Das fasst du genau richtig zusammen. Den E-Commerce Sektor über den Hebel der Retouren nachhaltiger zu gestalten, das ist unsere Mission. Und hierbei ganz besonders der Glaube an das Umweltbewusstsein der Endkund:innen, das wir mittels einer eigenen, mobilen Lösung heben möchten.

Eik Lämmerhirt Keepoala

Im Zusammenspiel helft ihr sozusagen den Händler:innen, ihre Anstrengungen im Retourenmanagement zu zertifizieren und wir geben den Onlineshopper:innen dieser Shops ein Tool an die Hand, um sich für die Retourenvermeidung zu belohnen.

Eik: Mit eurer Mission adressiert ihr ein sehr aktuelles Thema. Wie überzeugt ihr die Händler:innen, sich beim Retourenregister e.V. siegeln zu lassen?

Yanna: Wir zeigen die Vorteile auf. Eine Retoure kostet Händler:innen durchschnittlich 15,18 Euro. In vielen Branchen liegen die Kosten sogar noch weit darüber. Auch ohne besondere Umweltbedenken ist es im Interesse von Unternehmen, die Retourenthematik besser zu kommunizieren. Zunächst führt unser “Save our Returns” Siegel die Unternehmen an eine saubere Kommunikation, sowie weitere Best Practice Beispiele heran. Anschließend kommuniziert das Siegel Endverbraucher:innen mit einem Blick, dass sich ein Unternehmen um das Retourenthema verantwortungsvoll kümmert.

Die Gesetzgebung in Europa und Deutschland hat sich Richtung Kreislaufwirtschaft entwickelt.

YannaRetourenregister e. V.

Hinzu kommt, dass die Gesetzgebung in Europa und Deutschland sich Richtung Kreislaufwirtschaft entwickelt. Die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vom Oktober 2020 sieht eine Obhutspflicht vor, die die Entsorgung von Retouren nur noch zulässt, wenn es gar nicht anders geht. Hinzu kommen die Transparenzpflichten über das Retourenmanagement. Wir bereiten unsere Siegelpartner auf die Thematik vor, die umsetzenden Verordnungen werden vermutlich in der nächsten Legislaturperiode kommen.

Yanna: Ihr fokussiert euch ja im ersten Schritt auf den Textilbereich, wo es besonders hohe Retourenraten von bis zu 80 - 90 % gibt. Wie überzeugt ihr Händler:innen, bei Euch mitzumachen?

Eik: Bei uns ist es ähnlich. Das Problem per se zu erklären, ist nicht nötig, weil alle Shops damit zu kämpfen haben. Wir versuchen neben dem Kernversprechen der sinkenden Retourenquote vor allem auf die Sichtbarkeit und Kundenbindungswirkung bei umweltbewussten Shopper:innen aufmerksam zu machen. Die Generationen Z und jünger lassen das Thema Nachhaltigkeit zunehmend in ihre Kaufentscheidungen einfließen, und das bezieht sich dann nicht nur auf die faire Herstellung eines Produkts.

Eik: Mit welchen Hürden seht ihr euch derzeit konfrontiert?

Der Verein Retourenregister e.V. hat das Retourensiegel Save our returns eingeführt.

Yanna: Wir sind noch in der Pilotphase und arbeiten an unserem vollautomatischen Anmeldeportal und Aufbau unseres Partnernetzwerks. Das sollte bald fertig sein. Sobald das steht, können wir noch mehr Unternehmen gleichzeitig betreuen.

Ansonsten ist die Challenge weiterhin noch die Bewusstseinsbildung der Unternehmen und der Endverbraucher:innen. Sobald wir die Problematik und unsere Lösungsstrategie etwas erklärt konnten, fallen die Hürden generell weg.

Yanna: Wie sieht es bei Keepoala mit Hürden aus? Ihr seid ja auch noch in der Anfangsphase.

Eik: Für uns ist es aktuell noch am herausfordernsten, Händler:innen zügig zu onboarden. Da wir noch nicht mit jahrelangen Erfolgsstories und hunderttausenden von App User:innen aufwarten können, bedarf es in dieser Phase noch an alternativen vertrauensbildenden Maßnahmen. Das wichtigste Learning ist hierbei, das ein eigenes, gutes Netzwerk und warme Intros von anderen Shopbetreiber:innen die Hürde signifikant senken. Daher können wir mittlerweile die ersten, tollen KPIs mit unseren Pilotkunden vorweisen.

Eik: Was denkt ihr, wie die großen Player wie zum Beispiel ein Zara oder H&M auf ein derartiges Siegel reagieren? Spitz formuliert gehören Retouren ja zu deren Geschäftsmodell. Meinst du, die bekommt man irgendwann auch überzeugt und gesiegelt?

Yanna: Klar. Aus Eigeninteresse und mit guter Kommunikation wird sich das für die Großen auch weiter zum Thema entwickeln. Dazu kommt das Kundeninteresse und spätestens zwangsläufig durch die Gesetzgebung.

Eik: Du hattest es bereits erwähnt, Ihr beschäftigt euch auch mit der gesetzlichen Seite der Lieferketten- und Retourenprozesse. Wie schätzt ihr die aktuellen Rahmenbedingungen dazu ein?

Yanna: Wie schon erwähnt, sind die Rahmenbedingungen durch das Lieferkettengesetz und die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes bereits festgelegt. Es wird sich für Unternehmen lohnen, sich damit rechtzeitig auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie das Thema effektiv kommuniziert werden kann – nicht nur dem Staat gegenüber, sondern auch den Endverbraucher:innen gegenüber.

Nachhaltigkeit ist für etwa 70 % der Onlinekäufer:innen ein Kaufargument. Somit ist unser “Save our Returns” Siegel auch ein Versprechen für Produktverantwortung und ein Qualitätsmerkmal, das Händler:innen zum Beispiel auch von asiatischen Direktvermarktern abgrenzen kann.

Gelagtere Ware an Kleiderstangen

Eik: In Blick auf die Zukunft: Wie denkst du wird sich die gesetzliche Lage weiterentwickeln?

Yanna: Ressourcen sind weltweit am Schrumpfen. Wir müssen sorgfältiger mit unserer Mitwelt und mit den Produkten umgehen, in deren Produktion bereits viele Ressourcen und Arbeitskraft gesteckt wurde. Dreiviertel der CO₂ Emissionen eines Produktes entstehen bei der Herstellung, ein Viertel entfällt auf den Transport. Weshalb eine lange Nutzung und Wiederverwertung so wichtig ist. Das neue Zauberwort heißt Circular Economy, bzw. Kreislaufwirtschaft. Diese Mechanismen werden in Zukunft verstärkt auch gesetzlich gefordert werden. Das geht erstmal nicht wieder weg. Unser Planet und die Ressourcen sind endlich.

Eik: Denkst du, dass die Impulse von Unternehmen und Vereinen in Kombination mit den gesetzlichen Regularien für eine Entwicklung zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ausreichen?

Yanna: Das ist eine gute Frage, Eik. Ich denke, es wird insgesamt ein Umdenken in Bezug auf Konsum geben (müssen), freiwillig früher oder gezwungenermaßen später. Es ist ein guter Anfang, was da entsteht, aber es sind viele kreative Ideen auch von Seiten der Endverbraucher:innen gefragt, wie Produkte länger erhalten und genutzt werden können. Bereiche wie Fast Fashion und Themen wie Überproduktion brauchen neue Ansätze und eine veränderte Einstellung. Auch die Themen Umweltschutz, Gleichberechtigung und faire Arbeitsbedingungen gehören dazu.

Yanna: Wie seht ihr das bei Keepoala? Was wollt ihr mit eurer App erreichen?

Fast 80 % der Konsument:innen wollen nachhaltiger Leben.

EikCo-Founder von Keepoala

Eik: Du sagst es, es braucht kreative Ideen auf Seiten der Endverbraucher:innen. Dort wollen wir mit unserer App unterstützen. Die Daten zeigen: fast 80 % der Konsument:innen wollen nachhaltiger leben, aber nicht mal 20 % tun es ihrer eigenen Ansicht nach. Für uns ist das eine Frage, welche digitalen Tools den Verbraucher:innen zur Verfügung gestellt werden, um das Konsumverhalten langfristig hin zur Klimaschonung zu verändern, ohne zusätzliche Hürden zu schaffen. Letztlich muss es Spaß machen und man muss sich gut dabei fühlen, wie man konsumiert. Das wollen wir mit der App erreichen!

Eik: Wir sind bereits auf zukünftige Entwicklungen eingegangen. Wie wird es diesbezüglich mit dem Save our Returns Siegel weitergehen?

Yanna: Wir möchten, wenn sie den Kriterien entsprechen, so viele Unternehmen wie möglich siegeln. Außerdem arbeiten wir an einem Zertifizierungsprozess für größere Unternehmen, die durch einen unabhängigen Auditor vor Ort geprüft und zertifiziert werden können. Wie andere Umweltsiegel auch, werden wir die Siegelkriterien über die Zeit sicherlich verschärfen, damit das Siegel über die Gesetzeslage hinausgeht und auch wirklich etwas zur Nachhaltigkeit unseres Siegelpartners aussagt.

Eik: Yanna, wie soll für Dich die Nachhaltigkeit in 20 Jahren aussehen?

Yanna: Eine schöne Frage! Gut, hoffe ich! Ganz im Ernst, als Umweltwissenschaftlerin weiß ich, dass wir in 20 Jahren den Klimawandel noch viel stärker zu spüren bekommen und der Druck auf Ressourcen noch weiter zugenommen haben wird – allein durch eine zunächst weiter wachsende Erdbevölkerung. Nachhaltigkeit in den nächsten 20 Jahren heißt also auch eine Resilienz aufzubauen, dass bedeutet sich lokal und regional so aufzustellen, dass wir von globalen Ressourcenströmen unabhängiger geworden sind.

Zudem sollten wir mit gut haltenden Sachen länger hinkommen und dann wiederum wiederverwertet werden können. Es wird kaum noch etwas weggeschmissen. Dadurch entstehen auch neue Jobs und es ist Kreativität gefragt. Ich denke, es geht weg vom bloßen Konsum und hin zu mehr Selbstwirklichkeit durch mehr “erleben” und weniger “haben”. Hoffentlich. Dann kann das mit den nächsten Generationen auch noch klappen.

Yanna: Wie sollte unsere nachhaltige Zukunft für Dich aussehen, Eik?

Eik: Für mich gibt es auch kein Weiter so! Und ich bin mir sicher, dass der Großteil kommender Generationen das ähnlich sieht. Von daher bin ich optimistisch, dass der vom Endverbraucher intrinsisch motivierte Wille zum Wandel den extern, von der Gesetzgebung vorgegebene Zwang seitens der Industrie überholen wird und die Unternehmen, die sich nicht darauf eingestellt haben, auf der Strecke bleiben.

Dabei wird Konsum aber immer eine Rolle spielen und letztlich auch immer wachsen aufgrund steigender Kaufkraft in Schwellenländern. Ich bin zuversichtlich, dass man mit den richtigen Anreizen es dort vermeiden kann, die gleichen, ressourcenvernichtenden, Fehler zu machen, die man im in der Überproduktion und Überkonsum hier immer noch macht.

Eik: Wow, das war nochmal ganz schön ernst und politisch am Ende. Zum Abschluss nochmal was zum Auflockern. Was ist dein Vorbild Yanna, eine Persönlichkeit, eine Organisation, ein Unternehmen, dass dich jeden Tag dran glauben lässt, auf dem richtigen Weg zu sein und etwaigen Widerständen zu trotzen?

Yanna: Unternehmen mit klarem Purpose, die Nachhaltigkeitsvorreiter sind, finde ich inspirierend. Das sind die, die verstanden haben, das vorsichtig und verantwortungsvoller Konsum viel länger währt und Kunden bindet. Da gehören vor allem Outdoor Gear Companies dazu, deren Kunden generell ein hohes Natur- und Umweltbewusstsein aufweisen, weil sie sich dort am liebsten aufhalten.

Danke für deine Schlussworte und das Gespräch, Yanna. Wir sind gespannt, wie es bei euch weiter geht!

Willst du noch mehr über Retourenregister e. V. erfahren? Dann schau doch mal bei ihnen vorbei:

Hier gehts es zu @save_our_returns.

Hier gehts es zur Website.