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Bequem online shoppen

Das Onlineshopping erfreut sich schon seit einigen Jahren steigender Beliebtheit. Es war noch nie leichter, an das Objekt der Begierden zu kommen – per Mausklick direkt vor die Wohnungstüre. Das zeigen auch die Zahlen: die große Mehrheit von circa 72 Prozent bestellt mindestens einmal im Monat online. Fast ein Drittel der Onlineshopper:innen gaben an, mindestens alle zwei Wochen online einzukaufen.

Dem gegenüber steht eine Wende zu mehr Nachhaltigkeit. Die Onlineshopper:innen entwickeln zunehmend ein ökologisches Bewusstsein. Der Klimawandel bringt uns dazu, bisheriges Verhalten zu reflektieren. Es stellt sich die Frage: Wie gut oder schlecht ist Onlineshopping für die Umwelt?

Onlinehandel vs. stationärem Einzelhandel: eine Klimabilanz

Viele verbinden den Onlinehandel mit hohen Emissionen durch aufwendige Logistikprozesse aus dezentralen Warenlagern, die  jedes Produkt einzeln liefern. Die Überraschung: nach einer Studie des DCTI (Deutsches Clean Tech Institut) und geprüft vom Öko-Institut e.V. zeigte sich, dass die CO2-Bilanz doch deutlich besser abschneidet als angenommen.

Bei einer Hochrechnung vom Kauf eines Paar Schuhe im Onlinehandel wurden 1.030 g CO₂-Äquivalent errechnet. Der Schuhkauf im stationären Handeln würde stattdessen satte 2.240 g mehr CO₂ verursachen. Bei der Berechnung wurde der Weg zum Geschäft mit dem Auto zurückgelegt. Allerdings verursacht auch der Shopping Trip mit dem Fahrrad mehr CO₂ als das digitale Einkaufserlebnis.

Das lässt sich auf einen besonders hohen Emissionsfaktor zurückführen: die Strom- und Heizkosten der Ladengeschäfte. Dieser Rechnung nach zu urteilen, ist es nachhaltiger, nur noch online zu shoppen. Die Vorstellung von verlassenen Innenstädten und leerstehenden Läden wäre dennoch sehr traurig und trist.

Die CO2-Bilanz des Handels ist keine Pauschalrechnung

So leicht ist die Rechnung am Ende allerdings nicht. Die relevanten Einflussfaktoren sind viel komplexer als es auf den ersten Blick scheint. Der Stromverbrauch in den Geschäften ist zum Beispiel von der angebotenen Ware abhängig: ein Elektronikladen hat eine höhere Bilanz als die Papeterie. Der Onlinehandel hingegen ist stark an die Lieferung per Transporter gebunden. Ein Fernseher nimmt natürlich wesentlich mehr Platz ein als der Schuhkarton.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Onlinehandel ökologische Vorteile im Vergleich zum stationären Handeln hat. Jede:r Händler:in muss trotzdem individuell bewerten, welchen Einfluss die Prozesse in Abhängigkeit der angebotenen Warengruppen haben. Wichtige Prozesse sind mit unter die Herstellung und Beschaffung von Waren, Verpackung und Transport.

Industriegebiet in dem Rauchwolken in die Lüfte steigen.

Die Nachhaltigkeit von Onlineshopping

Der Onlinehandel konnte bereits 2019 seinen Umsatz um 11 Prozent steigern. Im Jahr 2020 konnte die Branche mehr als 70 Milliarden Euro umsetzen und verzeichnete ein Wachstum von 20 Prozent. Mit steigendem Wachstum ist eine immer größer werdende CO₂ Belastung für die Umwelt verbunden. Der Onlinehandel ist gegenüber dem stationären Handeln zwar ökologisch vorteilhafter, die Umweltwirkung der einzelnen Prozesse wie Transport oder Herstellung nimmt in der Summe jedoch zu.

Wichtig ist daher die Auswertung relevanter Prozessen im Onlinehandel und eine transparente Aufschlüsselung mit CO₂-Bilanz. Denn: in einigen Fällen könnten sich durch das rasante Wachstum umweltschädliche Faktoren im E-Commerce weiter ausbauen und ihren negativen Einfluss vergrößern. Der harte Konkurrenzkampf fordert mehr und mehr logistische Ressourcen, um dem Preisdruck oder schnellen Lieferzeiten gerecht zu werden. Nachhaltigkeit spielt dabei bisher keine große Rolle.

CO₂-Transparenz: positive Auswirkungen für Onlineshops

Transparenz lohnt sich. Bei einer Befragung gaben 71 Prozent der Konsument:innen in Deutschland an, dass detaillierte Informationen über die Nachhaltigkeit eines Produktes die Wahrscheinlichkeit erhöht, dieses zu kaufen. Sogar 49 Prozent würden mehr für ein Produkt bezahlen, wenn die Verwendung nachhaltiger Materialien deutlich gekennzeichnet werde.

Abfrage zur Wichtigkeit verschiedener Informationquellen beim Onlineshopping

Onlineshopper:innen legen außerdem Wert auf eine klare Stellungnahme zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. 68 Prozent würden sich gegen Unternehmen entscheiden, wenn Informationen zu einer bedenklichen Arbeitsweise an die Öffentlichkeit kämen. Beispiele sind das Verbrennen von Ware oder absichtliche Qualitätsminderung bei der Produktion von Ware.

CO2-Ausstoß im Onlinehandel und nachhaltige Lösungen

Im Onlinehandel gibt es einige Stellschrauben, die durch effiziente Lösungen klimafreundlicher gestaltet werden können. Zusätzlich bietet die Einführung dieser Lösungen einen großen Vorteil: die öffentliche Außenwahrnehmung als Vorreiter und innovatives Unternehmen. Die größten Stellschrauben sind:

  • CO₂-Transparenz von Produkten durch Beschaffung und Produktion
  • Die Verpackung als Hotspot für CO₂-Emissionen
  • Umweltbelastung durch Transport und Retouren

Die CO₂-Transparenz von Produkten durch Beschaffung und Produktion

“Transparenz im E-commerce ist extrem wichtig. Wir bei COKO fordern und fördern das, indem wir die individuellen Lieferketten von Modeartikeln genau analysieren. Somit muss ein Teil des Geschäftsprozesses offengelegt werden. Das ist entscheidend, denn nur so können wir umweltschädliche und ethische Schäden beleuchten und durch jährliche Audits positiv verändern.”

Maik MartinCo-Founder COKO-Projects

Der Prozess der Beschaffung und Produktion von Waren benötigt viele Ressourcen wie Energie, Rohstoffe und Arbeitskräfte. Deshalb hat jedes Paar Socken, die Unterhose oder eine Küchenmaschine noch vor dem Kauf einen Einfluss auf das Klima. In der Modebranche ist der Einfluss der Kleidungsstücke auf die Umwelt größer als bei anderen Produktgruppen.

Im Zuge der Fast Fashion Bewegung werden bei Modeketten wie Zara bis zu 24 Kollektionen im Jahr herausgebracht. Dazu kommen niedrige Preise und Qualität, die Kleidung zu einem Einmalprodukt machen und teilweise ungetragen vom Kleiderschrank zur Mülldeponie wandern lässt. Allein in Deutschland werden jedes Jahr pro Kopf 60 neue Kleidungsstücke gekauft, wovon rund die Hälfte nicht getragen wird.

Minimale Lebensdauer = maximal negative CO₂-Bilanz

Produkte mit einer kurzen beziehungsweise keiner Lebensdauer haben einen negativen Umwelteinfluss mit besonderer Bedeutung. Die Konsequenz: die Ressourcen für die Produktion, den anschließenden Transport und die Lagerung in Warenhäusern fallen trotzdem an, ohne irgendeinen Mehrwert. Bei einem T-Shirt aus Polyester wären es 5,5 kg CO2-Äquivalente, ein Baumwoll Shirt hat eine CO2-Bilanz von durchschnittlich 2,1 kg.

Nachhaltigkeit transparenter Produktions- und Beschaffungsketten

Abhilfe schafft offene Kommunikation und Transparenz. Die Konsument:innen haben ein zunehmend stärkeres Umweltbewusstsein und hinterfragen ihre Kaufentscheidungen. Wichtig ist es, ihnen eine Bezugsgröße zu geben. Onlineshops, die den ökologischen Fußabdruck zum Beispiel von jedem angebotenen Kleidungsstück transparent machen, schärfen das Bewusstsein für die Umwelteinwirkung ihrer Produkte.

Eine verbesserte Transparenz hat auch Vorteile für die Onlineshops. Im Geschäftsablauf ergeben sich positive Effekte auf die Arbeitskräfte, Planung zukünftiger Produktionsschritte, Teilhabern oder eben unserem Planeten. Warum? Durch die erhobenen Daten ergeben sich von alleine zukunftsweisende Fragen. Zum Beispiel: Wie ist es möglich, komplizierte und vielfältige Beschaffungs- und Herstellungsprozesse abzubilden? Welche Möglichkeiten gibt es, die Schritte in einem System zu integrieren? Welche Veränderungen in der Arbeitsweise lassen sich daraus ableiten?

“Klimafreundlich online shoppen, wer will das nicht? Dieses Klima- und Kundenbedürfnis wird aber nicht erfüllt, denn bei der Umsetzung mangelt es an Expertise, Zeit und Ressourcen auf Seiten der Onlineshops. Damit Onlineshops diesen Megatrend nicht verschlafen, ermöglicht unsere Software die Integration von positiven Klima-Touchpoints entlang der User Journey. Unsere digitalen Tools schaffen Transparenz, Vertrauen und einen maximalen einfachen Beitrag zum Klimaschutz!”

Varena JungeCo-Founder & CEO YOOK

Start-ups für mehr CO₂-Transparenz im Onlinehandel

Digitale, datenbankbasierte Lösungen, dessen Modelle die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen, können Abhilfe schaffen. Das haben sich Unternehmen wie Yook oder Coko Projects auf die Fahne geschrieben und wollen in der Bekleidungsindustrie aufräumen. Onlineshopper:innen werden über die CO2-Bilanz eines jeden Produktes informiert. Beim Check-out gibt es auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, das angefallene CO₂ zu kompensieren. Klimaneutrales Shoppen ohne Emissionsausstoß ist zwar noch nicht möglich, aber Informationen und die Unterstützung von zertifizieren Kompensationsprojekten hat ein großes Potenzial für die Umwelt und die Zukunft.

Verpackungen: Hotspot für CO₂-Emissionen

Eine zentrale Umwelteinwirkung hat im Onlinehandel das zusätzliche Versandmaterial. Je nach Produkt ist der Anteil des CO2-Abdruckes durch die Verpackung bei 4,1 bis 26 Prozent. Bei den üblicherweise verwendeten Kartons sind es 20 g CO₂ für eine kleine Faltschachtel (2,4 Liter Volumen) bis 900 g für einen großen Karton (128 Liter Volumen). Bei 3,3 Milliarden versendeter Pakete (2019) sind Versandverpackungen ein Hotspot für CO₂-Emissionen.

Verpackungen und Nachhaltigkeit – Onlineshopper:innen sind kompromissbereit

Laut einer Umfrage des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e. V. (bevh) ist Onlineshopper:innen die Verwendung von nachhaltigen Verpackungen mit 42,7 Prozent besonders wichtig. Dabei wären die Befragten bereit, Kompromisse einzugehen. Um nachhaltiger einkaufen zu können gaben 34, 8 Prozent an, eine Rückgabe von Mehrwegverpackungen zu akzeptieren. Mit einem  Aufpreis würden sich allerdings nur 23,2 Prozent zufriedengeben und lediglich ein Viertel würde auf eine Versandverpackung verzichten.

Befragung von Onlineshopper:innen zu Nachhaltigkeitskriterien

Nachhaltige Versandverpackungen bieten Onlineshops nicht nur ein großes CO₂-Einsparpotential. Eine Umstellung bedeutet ein ganzheitlich nachhaltigeres Auftreten für das eigene Branding. Verpackungen sollten daher hochwertig sein und sich als Standardverpackung mehrfach verwenden lassen. Alternativen bieten recycelte Paketboxen, die Papiererzeugnissen eine zweite Chance geben.

“Wir von RePack glauben, dass Recyclingfähigkeit nur der Anfang einer nachhaltigen Verpackungs- bzw. Kreislaufwirtschaft ist. Unser Ansatz der Mehrwegverpackung geht nun einen deutlichen Schritt weiter in Richtung Nachhaltigkeit. Einwegverpackungen werden sicher nie ganz ersetzt werden können, aber unsere Vision ist, dass eines Tages Mehrweg der neue Standard ist.”

Christof TrowitzBusiness Development RePack

Anbieter für eine umweltfreundlichere Verpackungsindustrie sind u.a. RePack und pack-it-eco. RePack reduziert zum Beispiel durch wiederverwendbare Verpackungen aus 100 Prozent recyceltem Polypropylen 80 Prozent CO₂ gegenüber den üblichen Verpackungsmaterialien und spart 96 Prozent Müllvolumen. In Kooperation mit Paketzulieferern und Onlinestores läuft die Rückgabe mit oder ohne Retoure für die Onlineshopper:innen ganz unkompliziert ab und sagt dem Müll im E-Commerce den Kampf an.

Hohe Umweltbelastung durch Versand und Retouren

Neben den CO₂-Emissionen des hohen Verpackungsverbrauchs im Onlinehandel kommen die Umweltauswirkungen des Versands hinzu. Zwar zählt rein rechnerisch die effiziente und getaktete Auslieferung der Waren zu den ökologischen Vorteilen gegenüber dem stationären Handel, die CO₂-Ausstöße belasten dennoch die Umwelt. Zu einer wirklichen Last wird die Lieferung vor allem dann, wenn sie nicht beim ersten Zustellversuch gelingt. Eine der großen Schwächen des Onlinehandels.

Studien zeigen, dass insbesondere die letzte Meile eine zentrale Rolle spielt. Das ist der Transportweg vom letzten Lager zur Haustüre der Onlineshoppenden. Durch die zunehmende Anzahl an Bestellungen steigt zunächst die Frequenz der Lieferungen und der Druck kürzerer Lieferzeiten. Weshalb Lieferanten nicht auf sparsamen Verbrauch achten und für einen hohen logistischen Aufwand viele Ressourcen erforderlich sind. Kann das Paket dann nicht zugestellt werden, beginnt die letzte Meile erneut.

Verbesserung der CO2-Bilanz durch Investition

Optimiert werden könnte das durch die Nutzung alternativer Verkehrsmittel wie Elektrofahrzeugen und Lastenräder. So setzt die Deutsche Post auf Flotten mit Elektrotransportern und möchte komplett auf E-Mobilität umstellen. Das Ziel ist Klimaneutralität.

Eine weitere Schnittstelle für Emissionen sind die Retouren. Kostenloses Rücksenden gehört zum Service der meisten Onlineshops und bieten in Verbindung mit Trends wie Fast Fashion nur einen geringen Anreiz, die getätigte Bestellung zu behalten. Circa ein Drittel der Onlineshopper:innen bestellen Produkte mit der Intention, diese wieder zurückschicken zu wollen.

Retouren als Umweltbelastung

Einige Unternehmen bitten mittlerweile darum, Bestellungen nicht mehr zurückzusenden und erstatten trotzdem den Kaufpreis bei Reklamation. Die Aufbereitungs- und Logistikkosten sind für sie einfach zu hoch. Präventiv und umweltfreundlich ist das nicht. Konventionelle Maßnahmen wie detaillierte Produktbeschreibungen können ebenfalls weiterhelfen. Dazu findest du hier einen ausführlichen Beitrag auf unserem Blog. Der smarte Einsatz von Technologien kann helfen, die Retouren langfristig zu reduzieren.

Einige Anbieter und Onlineshops bieten eine CO2-Kompensation an. Das kann eine Lösung für nicht vermeidbare Retouren sein, löst jedoch grundsätzlich nicht das Problem hoher Retourenquoten von 50 bis 60 Prozent. Einen komplementären Ansatz bietet Keepoala mit seinem shopübergreifenden Loyalty Programm. Durch Community Features, Anreizen in Form von attraktiven Prämien, Rankings und motivierenden Fortschrittsanzeigen werden Onlineshopper:innen dazu angeregt, ihre Bestellungen zu behalten und vor der nächsten Order bewusster mit ihrem Bestellverhalten umzugehen, um so die eigene Retourenquote langfristig zu reduzieren.

“Das personalisierte Dashboard von Keepoala zeigt den Onlineshopper:innen genau, wie viel CO₂ sie durch das Nicht-Retournieren einsparen konnten.”

Annkatrin SimonPR/Marketing Keepoala

Kommt es doch zu einer unvermeidbaren Rücksendung, können Onlineshopper:innen detaillierte Auskünfte über die Retourengründe angeben, welche den teilnehmenden Shops und Brands für das eigene Retourenhandling und der Verbesserung von Shopfeatures zur Verfügung gestellt werden können.

Fazit zur CO₂-Transparenz im Onlinehandel

Der Onlinehandel entwickelt sich zunehmend in Richtung Nachhaltigkeit, hält jedoch gerne an bewährten Methoden fest. Die Schlüsselstellen setzen sich individuell für jedes Unternehmen zusammen und machen die Bewertung der CO2-Belastung zu einem komplexen Thema. Onlineshopper:innen zeigen in verschiedenen Befragungen Kompromissbereitschaft, um nachhaltiger einkaufen zu können. Außerdem würden sie sich eher für Onlineshops entscheiden, die Maßnahmen ergreifen, die ihren eigenen Einstellungen zu Umwelt und Nachhaltigkeit entsprechen.

In den Faktoren wie Produktion, Versand oder Verpackung steckt weiterhin großes Verbesserungspotential. Auf allen Ebenen ist ein transparenter Umgang mit den Umweltbelastungen wichtig. Die Investition in den Einsatz nachhaltiger und digitaler Lösungen verbessert nicht nur die CO2-Bilanz des Unternehmens, sondern verbessert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und steigert die Zufriedenheit der eigenen Kund:innen.